Martin Svane
Betrug bei automatischen Zahlungen verhindern – ohne die Customer Experience zu verschlechtern
SEPA-Lastschriften sind bequem, effizient und kostengünstig. Gleichzeitig solltest du die damit verbundenen Betrugsrisiken nicht unterschätzen. Entscheidend ist, betrügerische Aktivitäten früh zu erkennen, ohne ehrlichen Kund:innen unnötige Hürden aufzubauen.
Wenn dein Unternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen in Europa arbeitet, bietet die Zahlung per SEPA-Lastschrift viele Vorteile. Im Vergleich zur klassischen Überweisung bringt sie aber auch besondere Herausforderungen mit sich – vor allem, weil Endkund:innen Zahlungen unter bestimmten Voraussetzungen zurückziehen lassen können. Mehr dazu liest du in unserem Artikel darüber, wie du das Risiko von Rücklastschriften reduzierst.
In diesem Beitrag schauen wir uns die typischen Betrugsrisiken bei SEPA-Lastschriftzahlungen genauer an – und zeigen, wie du ihnen effizient begegnest.
Drei typische Betrugsmuster bei SEPA-Lastschriften
Laut Michael Neuwirth, Senior Product Manager bei Billogram, lassen sich Betrugsfälle im SEPA-Lastschriftumfeld vor allem in drei Kategorien einteilen:
1. Missbrauch von IBANs
Wenn ein SEPA-Lastschriftmandat erstellt wird, stellt sich immer die Frage: Gehört das angegebene Konto tatsächlich der Person, die den Vertrag abschließt? Wenn eine IBAN manuell eingegeben wird, kann es sein, dass sie einer anderen Person gehört. Erkennt diese Person dann eine Abbuchung nicht wieder, wird sie die Zahlung anfechten. Die Bank holt das Geld daraufhin zurück, weil das Mandat nicht rechtmäßig von dieser Person erteilt wurde.
2. Keine echte Zahlungsabsicht
In diesem Fall ist die IBAN zwar korrekt, aber die Person nutzt bewusst ein Konto ohne ausreichende Deckung. Die Leistung wird in Anspruch genommen, aber die Zahlung scheitert.
3. Strategische Rückgaben
Hier wird die Leistung zunächst ganz normal genutzt und bezahlt. Anschließend wird der Betrag jedoch im Rahmen des SEPA-Lastschriftverfahrens nachträglich zurückgerufen.
Warum die Mobilitätsbranche besonders anfällig ist
Bei allen drei Fällen ist es oft schwer, klar zwischen eindeutigem Betrug und anderen fehlgeschlagenen Zahlungen mit denselben Rückgabegründen zu unterscheiden – etwa Rückgaben, fehlender Deckung oder fehlenden Mandaten. Deshalb lässt sich das tatsächliche Ausmaß des Problems oft nur schwer genau beziffern.
Umfragen zeigen jedoch, dass betrugsbedingte Umsatzeinbußen im Schnitt zwischen ein und zwei Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen können – wobei manche Branchen stärker betroffen sind als andere.
„SEPA-Lastschriftbetrug tritt besonders häufig in Bereichen mit sehr niedrigschwelliger Registrierung auf, etwa im Parking. Dort reichen oft schon eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer, um ein Konto anzulegen“, erklärt Michael und nennt ein Beispiel:
In einem Gespräch mit einem Kunden aus der Mobilitätsbranche wurde genau das als wachsendes Problem beschrieben, das sich bereits auf die monatliche Verlustquote auswirkt. Nach Einschätzung des Kunden gehen rund 20 Prozent dieser Verluste auf vorsätzlichen Missbrauch zurück. Der Rest entfällt auf Friendly Fraud oder Lücken im Forderungsmanagement.
Welche finanziellen Folgen hat Betrug bei SEPA-Lastschriften?
SEPA-Lastschriftbetrug wirkt sich direkt auf zwei zentrale Kennzahlen im Finance-Bereich aus: Bad Debt und Pay Rate. Die tatsächlichen Kosten gehen jedoch deutlich weiter, sagt Michael:
„Das Problem ist nicht nur, dass eine Leistung erbracht wurde, ohne dass eine Zahlung eingeht. Jeder einzelne Fall löst außerdem zeit- und kostenintensive Folgeprozesse aus – etwa Bank- und Partnergebühren sowie erheblichen Backoffice-Aufwand. Wenn Teams dann auch noch mit manuellen Prozessen arbeiten, um Rückgabegründe zu bearbeiten, Streitfälle abzugleichen oder Accounts zu sperren, bindet das wertvolle Ressourcen.“
Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen
Auf den ersten Blick mag es sinnvoll erscheinen, dem Betrugsrisiko bei SEPA-Lastschriften mit strengeren Prüfungen und Bonitätsabfragen für alle Kund:innen zu begegnen. Michael hält das jedoch nicht für den richtigen Weg:
„Natürlich gibt es Situationen, in denen Bonitätsprüfungen sinnvoll sind. Als pauschale Maßnahme ist das aber, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Es ist teuer, nicht international sauber skalierbar, erhöht die Hürden im Signup und schließt womöglich Studierende oder andere Gruppen aus, die zwar einen schwächeren Score haben, aber langfristig wertvolle Kund:innen sein können.“
Wichtige Bausteine einer ausgewogenen Fraud-Prevention-Strategie
Michael empfiehlt eine fein abgestimmte Strategie zur Betrugsprävention – mit der richtigen Maßnahme für die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt:
Beim Mandatsabschluss: für intelligente Kontrolle mit möglichst wenig Reibung
Prüfe bei neuen Nutzer:innen die Kontoinhaberschaft und kombiniere diese Verifikation mit zusätzlichen Datenpunkten, um individuelle Risikofaktoren zu bewerten. So kannst du Nutzer:innen mit niedrigem Risiko einen reibungslosen Signup ermöglichen, bei mittlerem Risiko weitere Verifizierungsschritte anstoßen und Personen mit klaren Betrugssignalen oder auffälligem Zahlungsverhalten direkt blockieren.
Während der laufenden Kundenbeziehung: für dauerhaft hohe Datenqualität
Setze auf kontinuierliches Payment Monitoring, um frühe Hinweise auf Betrug zu erkennen und verdächtige Nutzer:innen schnell aus dem Bestand zu nehmen. So sicherst du die Qualität deiner Datenbasis und identifizierst Risiken, die erst nach der initialen Mandatserstellung sichtbar werden.
„Ziel dieser Strategie ist es, die Pay Rate zu steigern und Bad Debt zu reduzieren – bei möglichst wenig Reibung für die große Mehrheit der Nutzer:innen mit geringem Risiko. So schützt du deinen Umsatz, ohne die Customer Experience zu beschädigen“, fasst Michael zusammen.
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Martin Svane